Der Wert eines einzigen Anrufs
Italien in den 1970er Jahren. Kleingeld verschwand aus dem Umlauf, und Telefonjetons für öffentliche Fernsprecher wurden als Wechselgeld verwendet.

Im Italien der 1970er Jahre tauchten im Wechselgeld der Geschäfte auch andere Dinge als Münzen auf. Bonbons. Kleine Bankschecks. Und Telefonjetons für öffentliche Fernsprecher.
Das Kleingeld verschwand
Der Hintergrund dafür war die Inflation. Nach der Ölkrise und einer Welle von Lohnerhöhungen trieben sich Preise und Löhne gegenseitig in die Höhe. Studien nennen eine Rate von etwa zwanzig Prozent pro Jahr.
Der Mechanismus, der die Löhne an die Preise koppelte – die *scala mobile* – soll dazu beigetragen haben, diese Situation zu verfestigen. Die Kausalität ist jedoch umstritten und nicht endgültig geklärt.
Sicher ist, dass Münzen mit kleinem Nennwert aus dem Umlauf verschwanden. Das vom Staat ausgegebene Kleingeld wurde knapp.
Von Banken gedrucktes Papier
Die Banken füllten als Erste die Lücke. Sie druckten Schecks mit kleinem Nennwert – *miniassegni* – über zehn oder hundert Lire, die als Wechselgeld in Umlauf kamen. Dies geschah etwa von 1975 bis 1978.
Dies waren im Grunde private Banknoten. Die Menschen erhielten ihr Wechselgeld für einen Kaffee in Form von kleinen Papierzetteln, auf denen der Name einer Bank aufgedruckt war.
Telefonmünzen
Ein weiterer Ersatz war der *gettone*. Dies war ein gerillter Messingjeton für die Benutzung in öffentlichen Fernsprechern.
Er wurde als Wechselgeld akzeptiert. Der Grund war einfach: Er hatte einen Wert, den jeder kannte – den Preis für ein einziges Telefongespräch.
Er wurde nicht vom Staat eingeführt. Er war auch kein gesetzliches Zahlungsmittel. Dennoch war er im Umlauf. Weil jeder daran glaubte, dass andere ihn annehmen würden.
Wo die Definition von Geld auf die Probe gestellt wurde
Was hier geschah, berührt die eigentliche Definition von Geld.
Geld ist das, von dem alle glauben, dass es angenommen wird – der *gettone* hat diese Definition im Alltag bewiesen. Die Telefonmünze füllte die Lücke, die durch die Knappheit des staatlichen Kleingelds entstanden war.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Rolle des Staates unnötig ist. Der *gettone* wurde akzeptiert, weil sein Herausgeber, die Telefongesellschaft, seinen Wert konstant hielt. Etwas, dessen Wert von niemandem garantiert wird, kann nicht als Wechselgeld dienen.
Nur etwas, das die Eignung zum Ersatz hat, kann als solcher eintreten. Das Italien der 1970er Jahre hat dies über mehrere Jahre hinweg gezeigt.
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