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Das besondere Objekt: Die Kipper- und Wipperzeit von 1618 bis 1623
Deutsche Bundesbank (Ausstellungskommentar des Geldmuseums, PDF 2 Seiten)
Von dieser Quelle gestützte Behauptungen
- Diese Zeit wird als die größte Inflation in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches angesehen. Die Münzverschlechterung, die mit dem Kriegsausbruch 1618 begann, dauerte bis 1623 an, aber die Ursprünge der Krise liegen Jahrzehnte früher.
- Die Augsburger Reichsmünzordnung von 1559 schuf einen rechtlichen Rahmen für Gewicht, Gehalt und Prüfung, setzte aber den Münzfuß für kleine und mittlere Münzsorten zu hoch an und berücksichtigte die hohen Produktionskosten von Kleingeld wie Groschen, Schilling, Batzen, Kreuzer, Pfennig und Heller nicht ausreichend. Die Prägung von etwa 23 kg Silber zu Talern erbrachte einen Gewinn von über 14½ Gulden, während die Prägung der gleichen Menge zu 3-Pfennig-Münzen einen Verlust von über 46 Gulden zur Folge hatte. Viele Münzherren waren gezwungen, den Silbergehalt von Kleinmünzen zu reduzieren, der schon vor Kriegsbeginn weit unter den Vorschriften lag.
- Mit Kriegsausbruch stiegen die Militärausgaben sprunghaft an, und es wurden bewusst Münzen mit geringem Feingehalt geprägt. Das Rohmaterial war gutes, im Umlauf befindliches Geld, und Aufkäufer reisten durch das Land, um es zu erwerben. Der Name der Epoche leitet sich von diesem Vorgehen ab: Gute Münzen wurden mit einer Waage (Wippe) aussortiert (gekippt). Neue Münzen wurden durch Zugabe von Kupfer zu Silber geprägt, und da die Gewinne groß waren, wurde der Silbergehalt weiter reduziert, bis schließlich reine Kupfermünzen auf den Markt kamen.
- Die Zunahme der Geldmenge belebte Handel und Produktion, aber auch die Preise stiegen sprunghaft an. Diejenigen, die die Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben konnten, taten dies, während Menschen mit festem Einkommen, wie Lehrer und Rentner, feststellten, dass ihre Lebenshaltungskosten nicht mehr ausreichten.
- In den Jahren 1623–1624 begannen die Behörden, zur alten Reichsmünzordnung zurückzukehren, indem sie die im Umlauf befindlichen Kipper-Münzen für ungültig erklärten, einzogen und neue, hochwertige Münzen ausgaben. Die mit dem Rückruf verbundenen enormen Verluste wurden zu einer Belastung für die Staatskasse.
- Abbildungen: ½ Reichstaler 1622 und ½ Kippertaler 1622 aus dem Kurfürstentum Sachsen, Albus 1606 und Kipperalbus 1621 aus der Landgrafschaft Hessen-Kassel, Kipperdreier 1621 und 1622 aus der Grafschaft Mansfeld. Literatur: Freytag, Schneider 1990, Rosseaux 2001, Klüßendorf 1974.
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